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Ritter:
Der lächelnde Kannibalismus
 


Thomas Ritter:
USA - Der lächelnde Kannibalismus
(Niddatal 1988)

S. 107-110: Die Kriege der USA
In diesem Kapitel, das wahrscheinlich für den Leser viel Unbekanntes zutage fördern wird, riskiere ich es, einmal eigene Wege zu gehen und damit viel Widerspruch hervorzurufen. Es wird eine Art Vergangenheitsbewältigung auch für uns Deutsche werden. Dabei interessiert mich weniger, was Hunderte von Journalisten, Geschichtswissenschaftlern, Militärs und Politikern publiziert haben, denen ich mit gutem Recht mißtraue.

Dies ist die Statistik der offiziell erklärten Kriege der USA seit der Staatsgründung 1789, wobei ich den bürgerkriegsähnlichen Dauerzustand des Kriegs gegen die Indianer unbeachtet lasse:

1812-1815: Krieg gegen England um Seerechte;

1846-1848: Krieg gegen Mexico: Californien und New Mexico werden annektiert;

1861-1865: Bürgerkrieg der Nord- gegen die Südstaaten;

1898: Spanisch-Amerikanischer Krieg: Kuba wird von Spanien unabhängig und ein Satellitenstaat der USA;

1917-1918: Teilnahme am Ersten Weltkrieg;

1941 -1946: Zweiter Weltkrieg;

1950-1953: Koreakrieg;

1965-1975: Vietnam-Krieg.

Und nun die wichtigsten militärischen Eingriffe der USA ohne formale Kriegserklärung:

1893: Hawaii wird besetzt und unter Niederschlagung der Einwohner zum " Schutzgebiet" erklärt.

1900: Teilnahme am internationalen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China, Eroberung Pekings.

1903: Annektion der Panama-Kanalzone von Kolumbien. Panama wird ein von Kolumbien abgetrennter Satellitenstaat der USA, eine riesige Militärbasis wird eingerichtet.

1904: Da die Domenikanische Republik die Schulden nicht mehr bezahlen kann, interveniert Präsident Theodore Roosevelt und erklärt, daß die USA in Ausübung internationaler Polizeigewalt in der westlichen Hemisphäre für Ordnung sorgen werden, wann immer es notwendig werden sollte.

1911: Nicaragua wird überfallen, um amerikanische Interessen zu schützen; bis 1933 bleiben US-Soldaten dort. 1934 wird von den USA der berüchtigte Diktator Anastasio Somoza eingesetzt.

1914: Kriegerische Auseinandersetzung mit Mexico, dessen Präsident abdanken muß.

1915: Haiti wird nach dem Einmarsch der berüchtigten "Marines", die dort bis 1934 bleiben, zum amerikanischen "Schutzgebiet".

1916: Erneute Strafexpedition im mexikanischen Grenzgebiet.

1916: Erneuter Überfall der Dominikanischen Republik, US-Soldaten bleiben bis 1924.

1958: Truppeneinsatz im Libanon.

1965: US-Soldaten entscheiden den Bürgerkrieg in der Dominikanischen Republik zugunsten der US-lnteressen.

1983: Ohne Vorwarnung wird die Inselrepublik Grenada besetzt.

1984: Ein US-Schlachtschiff beschießt Ziele im Libanon.

1986: Luftangriff auf Ziele in Libyen.

Das sind sieben richtige Kriege und vierzehn unerklärte, insgesamt also einundzwanzig in knapp zweihundert Jahren. Da frage ich, wann der nächste fällig ist.

Hinzu kommen hunderte kleinerer und großer Einmischungen in Konflikte mit Waffen, Krediten, Spenden, sogenannten "Beratern" und Geheimdienstagenten. Ein anderes Mittel zum Aufbau einer imperialen Sphäre von Satellitenstaaten war es, diese Länder so hoch zu verschulden, daß sie vom Wirtschaftsgiganten USA vollständig abhängig wurden. Sogar im Krieg des Irak gegen den Iran mischen die Amerikaner auf die unglaublichste Weise mit, und zwar auf beiden Seiten gleichzeitig. Einerseits liefern die USA dem angeblichen Todfeind Iran Waffen und Flugzeugersatzteile, andererseits sollen dem Irak vorsätzlich verfälschte Geheimdiensterkenntnisse der USA zugespielt worden sein. Von den Contras in Nicaragua will ich hier gar nicht schreiben, denn darüber gibt es reichlich Literatur. Es ist unfaßbar, wie schmutzig sich die USA ihre Hände in diesem kleinen, geplagten Land gemacht haben. Soweit die Fakten, die ich aus einem überall in den USA erhältlichen Taschenbuch, dem "lnformation Please Almanac" entnommen habe. Niemand kann mich als Kommunisten beschimpfen, wenn ich dieses Buch zitiere. Seit 1945, also seit nunmehr immerhin über 40 Jahren, haben sich die Amerikaner mit ihren angeblich Frieden stiftenden Soldaten im Herzen Europas, jedoch auch in Korea, den Philippinen, der Türkei und anderswo fest eingenistet. Fast auf der ganzen Welt wachen sie als selbsternannter Weltpolizist.

Und der dritte Weltkrieg wird in den USA auch schon gespielt. Überall in den USA ist in Buchhandlungen ein "lustiges" Spiel erhältlich, hergestellt von der Firma "Victory Games, Inc." (Siegesspiele GmbH), das sich "NATO - The next war in Europe" (NATO - der nächste Krieg in Europa) nennt. Da können die Amerikaner auf einer Landkarte Deutschlands genau durchspielen, wie sich amerikanische Militärs den endgültigen Untergang der mitteleuropäischen Kultur vorstellen. Sterben mehr Menschen in Nürnberg oder Hannover, ist hier die Frage. Soll man Hamburg dem Erdboden gleichmachen oder den Russen überlassen? Der erste Kreuzzug der USA gegen Europa, also der Erste Weltkrieg, war der Beginn eines bis heute andauernden Einsatzes amerikanischer Soldaten auf dem europäischen Kontinent. Um ihn zu verstehen - und das läßt sich anhand Tausender von Dokumenten und Zeitungsausschnitten beweisen -, muß man die tief verankerte, funktionierende Seelengemeinschaft der USA mit dem einstigen Mutterland England betrachten. Schließlich entstammen die gesamte Oberschicht der USA und nahezu alle Präsidenten irischen oder englischen Familien. Man hält zusammen. Man unterstützt sich. Man braucht darüber nicht viel Aufhebens zu machen. Aber es ist offensichtlich. Und es wird abgestimmt gehandelt, wenn es erforderlich werden sollte. So geschah es zum Entsetzen der südamerikanischen Nachbarstaaten der USA während des Falkland-Kriegs, als die USA versteckt und offen die Engländer in einer eher zweifelhaften Angelegenheit unterstützt haben. Neutralität wäre etwas anderes.
 

 

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